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Die
Bräuche um die Stille Zeit
(Weihnachten - Jul)
Wie zu keiner anderen Jahreszeit, verändert Weihnachten die Stimmung und
das Verhalten der Menschen. Heute jedoch, nicht unbedingt positiv. Dem
Rausch des Konsums und der Alltagshektik erlegen, vergessen immer mehr,
die wahre Bedeutung der Bräuche um die Weihnachtszeit. Eines gleich vorweg:
Die ursprüngliche Bedeutung hat nichts mit dem Geburtstag eines ominösen
Herrn Christus in Betlehem zutun, sondern geht zurück auf den archaischen
Sonnenkult der Urvölker.
Bereits Jahrhunderte vor der Ausbreitung des Christentums war das
Weihnachtsfest in allen indogermanischen Regionen und auch anderorts
verbreitet. Die Griechen feierten die Geburt des Lichtgottes "Soter",
die Phrygier nannten ihren Sonnengott "Artis", die Sryrer "Thamuz",
und die Iraner feierten wie die alten Römer die Ankunft ihres Licht– und
Sonnengottes "Mithras". Die Römer drückten mit ihrem "Sol
invictus", was "unbesiegter Sonnengott" bedeutet, besonders
eindruckvoll ihre Ehrerbietung für das Starke und Kräftige aus. Bei
unseren direkten Vorfahren, den Germanen und Kelten war dieses Fest unter
den Namen "Jul" bzw. "Yule" bekannt, wobei konkret hier
in Mitteleuropa der Begriff "Wintersonnenwende" gebräuchlich war.
Für die Nordgermanen hatte die Wiederkehr des Lichts jedoch eine ganz
andere eindringlichere Bedeutung als für uns Mitteleuropäer. Bereits mit
Samhain, der Nacht der Toten beginnt zu Ende Oktober die Dunkle Zeit des
Jahres. Bedingt durch das raue, harte Klima und die strengen Winter
bedeutete das Ende des Winters nichts anderes als das Überleben der
Menschen im hohen Norden zu sichern. Denn die Vorräte gingen langsam zu
Ende und ohne Sonnenlicht, lag der Ackerbau und Viehzucht, also die
Lebensgrundlage der Nordmänner brach. Der bekannteste römische Geschichtsschreiber Tacitus berichtete im ersten Jahrhundert nach der
Zeitenwende, dass die Germanen die Weihnachtszeit für ein großes Festmahl
mit allerlei Spielen nutzen. Der griechische Geschichtsschreiber Prokop
berichtete dazu, dass im 6.Jahrhundert die Nordleute zu dieser Zeit Boten
auf die höchsten Berge schickten, um nach der wiederkehrenden Sonne
Ausschau zu halten. Am 21.Dezember hat die Nacht den Höhepunkt des Jahres
erreicht, denn ab jetzt nimmt das Sonnenlicht wieder zu. Die Wiederkehr der
Sonne wurde dann mit Julfeuern und brennenden Räder gefeiert, von denen
letztere ins Tal gerollt wurden.
Das heidnische Jahr, dass sich an Mond und Sonne orientierte hat jeweils 4
Hoch– und 4 Jahresfeste, wobei zwei davon immer, im Abstand von ungefähr
einem halben Jahr zusammengehören. So entspricht die Wintersonnenwende, die
bedingt durch den Stand der Gestirne traditionell auf den 21.Dezember
fällt, der Sommersonnenwende am 21.Juni. Auch ist hier schon in der
heidnischem Monatsbezeichnung "Julmond" für Dezember, die immense
Bedeutung des Lichtfestes für den germanischen Menschen erkennbar.
Der Begriff "Weihnachten" weist in dieser From bereits auf seine
Mehrzahl hin und besitzt Assoziationen zum altdeutschen Begriff "wjh",
was "heilig" bedeutet. Daher erfolgte auch die Ableitung zur
"Heiligen Nacht". Weihnachten umfasst einen Zeitraum von genau 11
Tagen und 12 Nächten. Diese "Stille Zeit" liegt zwischen dem
alten Mondjahr und dem neuen Sonnenjahr. Erklären läßt sich das
astronomisch folgendermaßen: ca. 365 mal dreht sich die Erde um ihre eigene
Achse, während sie die Sonne umkreist. Auch der Mond dreht sich um sich
selbst, jedoch rascher als unser Heimatplanet. So braucht der Mond exakt
29,5 Tage für seine Umkreisung der Erde. Nun ergibt sich rein rechnerisch
ein Unterschied zwischen Mond- und Sonnenjahr. Denn 12mal 29,5 Tage ergeben
354 Tage anstatt 365. Deshalb wird die Zeit zwischen 21.Dezember und
1.Januar weder zum alten noch zum neuen Jahr hinzugerechnet, sondern stellt
eine Art Zwischenstadium da. In dieser "Toten Zeit" soll die
Arbeit ruhen, die Menschen sich besinnen und im Kreise der Familie und Sippe
die Wiederkehr des Lichts feiern.
Diese "Zwölften" wurden auch die Rauhnächte genannt, in denen
sich z.B. die Mythen und Märchen der "Frau Holle" und "die
wilde Jagd Wotan – Odins" abspielen. Aus dieser "Frau
Holle" wurde mit der Zeit die Totengöttin "Hel",
"Hella" bzw. "Percht", da Kälte und Winter mit dem Tod
in Verbindung gebracht wurden. Wobei diese Verbindung nicht nur eine
negative Seite hatte sondern auch eine äußerst positive, da so der Weg
frei für neues Leben wurde. Hel ist somit nicht nur Toten– sondern auch
Schutzgöttin '#150; doch woran wir bei ihr sind, bleibt uns verborgen,
verhehlt.
Das Märchen "Frau Holle" von den Gebrüdern Grimm handelt von den
Personen Goldmarie und Pechmarie. Die fleißige Spinnerin Goldmarie wird
für ihre Taten belohnt, wobei im Gegenzug Pechmarie für ihre bequeme und
oberflächliche Wesensart bestraft wird. Ab dem 10.Jahrhundert wurde dann
das Wort "Hel" zu einer synonymen Bezeichnung für die Unterwelt,
wobei dieser Begriff nicht negativ missverstanden werden darf. Erst die
Kirche deutete diese Welt zum Qualort um und formte daraus die grausame
Hölle für die "Sünder". Durch das massive Kirchengebimmel zu
dieser Jahreszeit sollten die "bösen heidnischen Geister"
vertrieben werden. Im Gegenzug kann jeder klar erkennen, dass die Opfergaben
unserer Vorfahren in Form von Äpfel, Nüsse und Honig wohl kaum geeignet
gewesen wären zur Dämonenaustreibung.
Bei der wilden Jagd reitet der einäugige Sturm– und Kriegsgott des
Göttergeschlechts der Asen auf seinen weißen achtfüßigen Schlachtross
Sleipnir durch die Lüfte auf der Jagd nach dem Wild, vorzugsweise einem
Eber. Begleitet wird er hierbei von seinen Raben Mugin und Munin ("der
Gedanke und die Erinnerung") und seinen beiden Wölfen Geri und Freki
("der Gierige und der Gefräßige"). Auf dieser ewigen Jagd, die
sich jedes Jahr wiederholt, benutzt er vorzugsweise seinen Speer Gungnir,
der niemals sein Ziel verfehlt und wird sowohl von den gefallenen Krieger
die in Walhalla residieren begleitet, genannt die Einherier, als auch von
einigen wenigen auserwählten sterblichen Helden. Odins Wilde Jagd besitzt
äußert vielseitige Züge auf die hier leider aus Gründen der besseren
Übersichtlichkeit und Lesbarkeit nicht ausführlicher eingegangen werden
kann. Generell ist die Jagd jedoch als ein Sinnbild für die Toten– und
Ahnenverehrung zu verstehen, die aber selbstverständlich auch den
Fruchtbarkeitskult in Form von Streben nach Wachstum miteinschließt.
Ebenfalls wurde zur Feier des Anlasses ein eignes Julbier für diese
Jahrzeit hergestellt sowie mit reichlich Kerzen– und Lichterschmuck,
Symbolgebäck, warmen Met und einem Festtagsschmaus (z.B. "Julgalt"
(Weihnachtseber) und "Jultupp" (Weihnachtshahn) die Rückkehr der
Sonne herbeigesehnt.
Nicht zu vergessen ist natürlich auch der obligatorische Weihnachtsbaum.
Unsere Vorfahren hatten sei jeher große Bewunderung für die einzigartige
Baum– und Pflanzenwelt. So wurden in heiligen Hainen Feiern abgehalten,
dem Donner– und Fruchtbarkeitsgott Thor die Eiche geweiht und die großen
Versammlungen – Things genannt – unter einem großen Baum abgehalten.
Auch in der nordischen Mythologie stellt der Baum als wunderbares Sinnbild
für die Einzigartigkeit der Natur den Beginn des Menschengeschlechtes dar.
Besondere Bedeutung fällt hier auch der Esche zu, denn der germanische
Weltenbaum Yggdrasil stellt die Basis der nordischen Kosmologie da. Somit
war es eigentlich nur logisch, auch zu solch einen bedeutenden Fest wie Jul,
den Baumkult beizubehalten. Nebenbei bemerkt: Auch der Lichterkranz (bzw.
Adventkranz) ist in seiner ursprünglichen Form ein heidnischer
Kultgegenstand. Er ist in seiner Funktion vergleichbar mit einem Grabkranz
und diente somit ebenfalls der Toten– und Ahnenverehrung. Auch die
Vorgehensweise war eine andere: Heute wird am 1.Advent eine Kerze
angezündet und dies gesteigert bis zum 4.Advent, wo dann alle vier Kerzen
brennen. Früher war es jedoch genau anders herum: Es wurde mit 4 Kerzen
begonnen und mit zunehmender Abnahme des Lichts erlosch jeweils eine weitere
Kerze; um so die zunehmende Macht der Dunkelheit passend untermalen zu
können, bevor dann an Jul, die Wiederkehr des Lichts in allen möglichen
Formen gefeiert werden konnte.
Zurück zu der Beziehung zum Christentum: Wie kam es dann eigentlich dazu,
dass heute Weihnachten für ein christliches Fest gehalten wird? Ganz
einfach: Die hohen Würdenträger der Kirche machten sich Gedanken, wie man
die ungläubigen Heiden doch am besten zum Wüstengotte hin bekehren könne.
Da kam ihnen die Wintersonnwendfeier, welche ja im ganzen Abendland
verbreitet war, gerade recht. Entstehungsgeschichtlich wurde dann zum ersten
mal im Jahre 325 Weihnachten im christlichen Festverzeichnis erwähnt. Papst
Julius, welcher in den Jahren 337 bis 354 die Macht inne hat, legte den
Geburtstag des Zimmermanns dann willkürlich auf den 25.Dezember.
Willkürlich deshalb, da in den ältesten Urkunden der Christenheit, ganz
andere Monate bzw. Tage in Erwähnung gezogen wurden. Also wieso nicht
gleich "zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen", dachte sich dann
wohl auch die Kirche...
Viele der obigen Mythen, Bräuchen und Geschichten sind nicht immer leicht
zu verstehen. Um hier mit einem Zitat von Björn Ulbrich aus "Die
geweihten Nächte" zu schließen: «Wie nähern uns ehrfürchtig in
Bildern von magischer, übersinnlicher Faszination. Übersinnlich bedeutet:
mit den Sinn nicht vollständig zu erfassen. Das heißt nicht
"übernatürlich", denn es gibt nichts außerhalb der Natur. Die
Natur ist allumfassend, ewig, göttlich.»
– Björn Ulbrich, Holger Gerwin, aus "Die Geweihten Nächte"
– Manfred Gebhard
– www.asatru.de
(Hermann Husstedt)
– www.bbv-net.de (Bocholter-Borkener
Volksblatt)
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